Estate Planning und Generationenberatung
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Wissen

Estate Planning und Generationenberatung

Thomas Vollkommer
25. August 2026
7 Min. Lesezeit

Vermögen aufzubauen ist nur eine Seite der Finanzplanung. Spätestens wenn Immobilien, Wertpapierdepots, Unternehmensbeteiligungen oder größere Geldvermögen an die nächste Generation weitergegeben werden sollen, entstehen neue Fragen. Genau hier setzen Generationenberatung und Estate Planning an. Estate Planning bezeichnet die systematische Vermögensnachfolgeplanung. Sie beschäftigt sich damit, wie Vermögen langfristig erhalten, übertragen und auf unterschiedliche Familienmitglieder verteilt werden kann.

Die Bezeichnungen allein lassen allerdings noch nicht erkennen, wie umfangreich die jeweilige Qualifikation tatsächlich ist. Es existieren unterschiedliche Ausbildungsprogramme. Besonders klar einzuordnen sind die Zertifizierungen CGA, Certified Generations Advisor, und CFEP, Certified Foundation and Estate Planner, des Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB).

Generationenberatung beginnt vor dem Erbfall

Eine gute Nachfolgeplanung beginnt nicht erst mit Testament oder Erbschaft. Häufig geht es viele Jahre zuvor darum, Vermögen innerhalb einer Familie sinnvoll zu strukturieren.

Dabei können beispielsweise folgende Themen zusammenkommen:

• Schenkungen zu Lebzeiten und spätere Erbschaften

• Immobilien, Wertpapiervermögen und Unternehmensbeteiligungen

• finanzielle Absicherung von Ehepartner:innen und Kindern

• Vorsorgevollmachten und andere Vorsorgeverfügungen

• Liquiditätsbedarf und finanzielle Belastungen der nächsten Generation

Der Certified Generations Advisor (CGA) ist speziell auf die private Vermögensnachfolge ausgerichtet. Nach Angaben des FPSB gehören neben der Gestaltung der Nachfolge auch Vorsorgeverfügungen und die Gesamtstruktur der finanziellen Absicherung zum Aufgabenfeld.

Estate Planning betrachtet komplexere Strukturen

Der Certified Foundation and Estate Planner (CFEP) setzt noch breiter an. Die Zertifizierung richtet sich nicht nur auf die private Vermögensnachfolge, sondern auch auf komplexere Konstellationen mit Unternehmen oder Stiftungen. Das FPSB beschreibt den CFEP als Qualifikation für einen umfassenden Ansatz bei der Nachfolgeplanung im privaten und unternehmerischen Bereich.

Estate Planning kann dabei helfen, verschiedene Vermögensbestandteile zunächst vollständig zu erfassen und mögliche Nachfolgeszenarien miteinander zu vergleichen. Bei größeren Vermögen reicht es selten aus, lediglich ein Testament zu betrachten. Immobilien, Unternehmen, Versicherungen und Kapitalanlagen können unterschiedliche steuerliche, rechtliche und wirtschaftliche Folgen haben.

Gerade hier zeigt sich der Nutzen einer übergreifenden Planung. Sie führt die verschiedenen Bereiche zusammen und strukturiert den Gesamtprozess.

Steuerberatung und Rechtsberatung bleiben wichtig

Eine Qualifikation im Estate Planning ersetzt keine steuerliche oder rechtliche Beratung. Besonders bei Erbrecht, Schenkungsteuer, Gesellschaftsrecht oder der Gestaltung von Testamenten sind entsprechende Fachleute erforderlich.

Das Konzept des FPSB sieht deshalb ausdrücklich vor, dass im Estate Planning mit der steuerlichen und rechtlichen Beratung der Mandant:innen zusammengearbeitet wird. Die Aufgabe besteht vor allem darin, die wirtschaftliche Gesamtsituation und die Ziele zu erfassen und die unterschiedlichen Fachgebiete in eine übergreifende Nachfolgeplanung einzubinden.

Das kann gerade bei größeren Vermögen sinnvoll sein. Statt Steuerberatung, Rechtsberatung, Bank und Versicherungsberatung unabhängig voneinander arbeiten zu lassen, kann eine qualifizierte Person im Estate Planning eine koordinierende Rolle übernehmen.

CGA und CFEP bilden unterschiedliche Stufen

Auch innerhalb dieser Qualifikationen gibt es Abstufungen. Der CGA konzentriert sich stärker auf Generationenberatung und private Vermögensnachfolge. Er kann zugleich eine erste Qualifikationsstufe auf dem Weg zum umfassenderen CFEP darstellen. Das FPSB bezeichnet den CGA ausdrücklich als erste Stufe zur CFEP-Zertifizierung.

Akkreditierte Ausbildungsprogramme zeigen diesen Aufbau ebenfalls. Bei der EBS Executive School führt beispielsweise Level I zur Generationenberatung und Level II zum Estate Planning. Auch weitere Hochschulen und Bildungsanbieter bieten entsprechende akkreditierte Programme an.

Für Ratsuchende bedeutet das: Qualifikationen in der Generationenberatung und im Estate Planning können eine unterschiedliche Ausbildungstiefe besitzen. Die genaue Bezeichnung und die zertifizierende Organisation sind daher wesentlich.

Zertifizierung verlangt mehr als einen Lehrgang

Bei den Zertifizierungen des FPSB geht es nicht allein um den Besuch einer Weiterbildung. Ausbildung, Erfahrung und ethische Anforderungen gehören zum Zertifizierungsverfahren. Zudem führt das FPSB ein öffentlich zugängliches Register der zertifizierten Personen und verlangt für die Rezertifizierung den Nachweis vorgeschriebener Weiterbildung.

Damit unterscheiden sich CGA und CFEP deutlich von allgemeinen Bezeichnungen wie Generationenberatung oder Estate Planning, hinter denen auch andere Ausbildungsmodelle stehen können.

Wertvoll bei größeren Vermögen

Je einfacher eine Vermögenssituation ist, desto weniger Koordination ist erforderlich. Bei mehreren Immobilien, Unternehmensvermögen, größeren Depots oder einer weit verzweigten Familie können die Wechselwirkungen jedoch erheblich werden.

Qualifizierte Generationenberatung oder Estate Planning kann dann helfen, Vermögensnachfolge nicht als einzelne rechtliche oder steuerliche Maßnahme, sondern als langfristigen Prozess zu betrachten. Entscheidend bleibt die genaue Qualifikation. CGA und insbesondere CFEP sind klar definierte Zertifizierungen. Eine allgemeine Berufsbezeichnung allein sagt deutlich weniger aus.

Unser Fazit

Vermögensnachfolge betrifft finanzielle, rechtliche, steuerliche und persönliche Fragen zugleich. Eine koordinierte Planung schafft Transparenz, zeigt Wechselwirkungen und hilft dabei, Entscheidungen rechtzeitig vorzubereiten. Steuerberatung und Rechtsberatung bleiben unverzichtbar. Eine qualifizierte Generationenberatung oder Estate-Planning-Begleitung kann die beteiligten Fachgebiete zusammenführen und den Gesamtprozess strukturieren.

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