Historische Einordnung der Corona-Hilfen

Historische Einordnung der Corona-Hilfen

Wegen der Corona-Krise verschulden sich Staaten weltweit mit gewaltigen Summen. Viele Menschen machen sich wegen dieser Schuldenberge Sorgen. Historisch gesehen ist die gegenwärtige Verschuldung jedoch nicht übermäßig hoch.

 

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Carmen Reinhart von der Universität Harvard ist international als Schulden-Spezialistin anerkannt. Seit Jahren untersucht sie, wie Staaten versuchen Krisen mit Geld zu bewältigen. Vor kurzem veröffentlichte sie zusammen mit dem Professor für Volkswirtschaft Christoph Trebesch und dem Ökonomen Sebastian Horn aus Kiel eine Studie, in der die drei Forscher internationale Finanz-Kooperationen und Rettungskredite im Zeitraum von 1790 bis 2015 untersuchen. Seit dem 15. Juni 2020 ist Frau Reinhart Chefökonomin und Vizepräsidentin der Weltbank in Washington. Nun hat die Wissenschaftlerin ganz praktisch mit hohen Schulden und Krisenbewältigung zu tun.

Motivation und Vorgehensweise der Forscher

  • Sie stellten fest, dass über Kredite privater Geldgeber zur Bewältigung von Krisen häufig berichtet wird. Über zwischenstaatliche Kredite gibt es bisher nur wenige Daten. Für Steuerzahler ist es jedoch von Interesse, wem öffentliche Gelder geliehen werden und ob die Schulden getilgt werden.
  • Um die Daten zusammenzutragen, durchforsteten die Wissenschaftler Budgetarchive und Vertragssammlungen vieler Staaten.
  • Sie untersuchten die Relation zwischen privaten und staatlichen Krediten.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Bei der systematischen Auswertung des riesigen Datensatzes wurde klar, dass die Beträge, die unter Staaten verliehen werden, die Darlehenssummen privater Investoren um ein Vielfaches übersteigen. Besonders hoch waren diese Transfers in Kriegszeiten und weltweiten Finanzkrisen. In der Zeit der napoleonischen Kriege erreichten die öffentlichen Schulden erste Höchststände.

„Im Ersten Weltkrieg entsprach die jährliche Verschuldung 12 Prozent des amerikanischen Bruttosozialprodukts, während des Zweiten Weltkriegs waren es ‚lediglich‘ 10 Prozent der Leistung der größten Volkswirtschaft der Welt.“

Aktuelle Verschuldung mit Gelassenheit sehen?

Im Vergleich dazu sind die Schuldenberge der jüngsten Vergangenheit relativ klein. Die globale Verschuldung zur Bewältigung der Finanzkrise 2008/2009 entsprach 5 Prozent der US-amerikanischen Wirtschaftsleistung.

Rettungspakete wie zum Beispiel für Griechenland sind also historisch gesehen nicht ungewöhnlich. Die Verfasser der Studie sehen solche zwischenstaatlichen Transfers positiv, weil Probleme eines Staates schnell zum Problem der anderen werden.

Kredite an einen anderen Staat dienen immer auch dazu, die eigene Wirtschaft – insbesondere die Exporteure und die im Ausland tätigen Banken – zu schützen.

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