Geldanlage in Coronazeiten

Geldanlage in Coronazeiten

In Coronazeiten sorgen sich viele Menschen nicht nur um ihre Gesundheit, sondern auch um ihr Einkommen und ihre Ersparnisse. Jetzt heißt es besonnen zu handeln, um langfristig Schäden zu vermeiden.

 

Wie eng der Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko bei der Geldanlage ist, zeigte sich in den vergangenen Tagen wieder einmal schmerzhaft. Weltweit herrscht an den Börsen Ausnahmezustand. Ob Dow Jones, DAX oder SMI – die Kurse rauschen weltweit in rekordverdächtigem Tempo gen Süden. Jetzt noch verkaufen oder langfristig auf Kurserholung hoffen? Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort. Hier finden Sie Anregungen, welche Aspekte Sie bei Ihren Überlegungen jetzt berücksichtigen müssen

Wie entwickeln sich die verschiedenen Anlageformen in der Coronakrise?

  • Aktienkurse fielen stark in den vergangenen Tagen. Der Handel an der New Yorker Börse musste wegen des rasanten Kursrutsches mehrfach unterbrochen werden.
  • Staatsanleihen werden als sichere Häfen angesehen. Das sorgt dafür, dass die Verzinsung besonders gefragter Papiere sinkt. Die Verzinsung deutscher Anleihen sank zeitweise auf – 0,9 Prozent. Das ist ein historischer Tiefstwert.
  • Gold gilt allgemein als Absicherung gegen Krisen. Bei fallenden Aktienkursen steigt der Goldpreis in der Regel.
  • Sparguthaben sind wegen der niedrigen Zinsen wenig rentabel, bleiben jedoch von der Krise verschont.
  • Gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge, Riester-Verträge, Lebens- und Rentenversicherungen mit Zins- oder Beitragsgarantie und die staatlichen Zuschüsse oder Steuervergünstigungen für die private Altersvorsorge bleiben ebenfalls unverändert bestehen.

Anlagestrategie anpassen oder Krise aussitzen?

Um eine auf Ihre individuelle Situation maßgeschneiderte Antwort zu finden, sollten Sie auch in Coronazeiten auf den Rat Ihres unabhängigen Beraters vertrauen. Das gilt insbesondere, wenn Sie in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen und ein wesentlicher Teil Ihrer Altersvorsorge in Aktien oder Fonds steckt.

„Wer Aktien jetzt in Panik verkauft, realisiert herbe Verluste.“

Wenn es irgend möglich ist, sollten Sie – falls erforderlich – Aktien nur in kleinen Raten verkaufen und auf steigende Kurse hoffen.

Sparbücher, Festgeld oder Tagesgeldkonto erwirtschaften wegen der niedrigen Zinsen zwar kaum eine Rendite, erweisen sich aber wie Anleihen auch in Coronazeiten als stabilisierend für das Depot und sollten darum bei jeder Anlagestrategie berücksichtigt werden.

Das gleiche gilt für Gold, dessen Depotanteil nach Ansicht vieler Fachleute bei etwa 10 Prozent liegen sollte.

Timing ist nicht alles

Timing ist nicht alles

Es ist Sommer und da werden die Börsen-Märkte gerne mal zum Gesprächsthema bei Grillfesten oder ähnlichen gesellschaftlichen Ereignissen. Vielleicht werden Sie bei einer solchen Gelegenheit einmal von einem Nachbarn nach Anlageempfehlungen gefragt. Selbst disziplinierte und langfristig orientierte Anleger können der Versuchung erliegen, „im richtigen Moment einzusteigen“ um den nächsten Abschwung zu vermeiden. Tatsächlich ist es jedoch gar nicht so leicht, bei Anlageentscheidungen das richtige Timing zu haben.

ES IST SCHWER, DIE MÄRKTE VORHERZUSAGEN

Wer genau zum richtigen Zeitpunkt einzelne Wertpapiere kaufen oder taktische Veränderungen an seiner Asset Allokation vornehmen will, steht vor einer gewaltigen Aufgabe, vor allem weil die Märkte hart umkämpft und effizient in der Verarbeitung von Informationen sind. Im Jahr 2018 lag das durchschnittliche Handelsvolumen von Aktien weltweit je Handelstag bei rund 462,8 Milliarden Dollar.

Durch diese Transaktionen werden neue Informationen, seien es Wirtschaftsdaten oder die Einschätzungen von Anlegern, sehr schnell eingepreist. Lassen Sie sich bei Ihren Anlageentscheidungen manchmal durch die Finanznachrichten aus der Tageszeitung oder dem Fernsehen leiten? Wahrscheinlich sind die Informationen bereits in den Preisen enthalten, wenn sie die Anleger erreichen. In einer kürzlich veröffentlichten Studie hat Dimensional die Wertentwicklung aktiver US-amerikanischer Investmentfonds untersucht.

Das Ergebnis: Selbst professionelle Anleger tun sich schwer damit, den Markt zu schlagen. In den vergangenen zwanzig Jahren konnten nur 23% der Aktienfonds und 8% der Anleihenfonds sowohl eine Liquidierung vermeiden als auch nach Kosten eine höhere Wertentwicklung im Vergleich zu ihrer Benchmark erwirtschaften.

Außerdem müssen Anleger mit ihrer Kauf- oder Verkaufsentscheidung nicht nur einmal richtig liegen, sondern zweimal, was richtiges Timing zusätzlich erschwert. In einem Interview mit Dimensional brachte es Nobelpreisträger Professor Robert Merton vor Kurzem auf den Punkt:

„Jeder wäre gerne ein Marktflüsterer. Nehmen wir einmal an, ich könnte Kursbewegungen in sieben von zehn Fällen richtig vorhersagen. Das ist ziemlich gut, Sie würden mir sofort einen Job geben. Um ein guter Marktflüsterer zu sein, muss ich jedoch zweimal richtig liegen. Was wäre, wenn die beiden Ereignisse unabhängig voneinander wären? Sie sind es nicht, doch wären sie es, ergäbe sich eine Wahrscheinlichkeit von 0,7 mal 0,7. Das ist weniger als 50-50. Markt Timing ist also wahnsinnig schwierig.“

DER MARKT UND DAS TIMING

Nehmen wir zum Beispiel US-Aktien. Der S&P 500 Index hat ein unglaubliches Jahrzehnt hinter sich. Sollten Anleger deshalb ihre Aktienallokation anpassen? Höchstkurse sind keine Vorboten negativer Renditen. Auch nach Höchstständen warf der S&P 500 über ein, drei und fünf Jahre noch immer positive Jahresrenditen ab.

FAZIT

Die Märkte vorherzusagen ist schwieriger, als viele Anleger vermuten. Während Markt Timing theoretisch möglich ist, scheitern selbst professionelle Anleger an dem Versuch, Renditen verlässlich vorherzusagen. Die gute Nachricht: Für gute Anlageergebnisse müssen sich Anleger nicht auf Markt Timing verlassen. Die Märkte belohnen Anleger mit langfristigem Anlagehorizont, die trotz kurzfristiger Marktbewegungen diszipliniert bleiben. Anleger können das Potenzial der Märkte am besten ausschöpfen, indem sie sich auf die Faktoren konzentrieren, die sie auch kontrollieren können, also die richtige Asset Allokation, Diversifikation und die Reduzierung von Kosten, Portfolioumschlag und Steuern.

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